Im Mittelpunkt des Vorhabens stand eine sogenannte MANV-Lage. Dieses Kürzel beschreibt eine Einsatzsituation mit einer so hohen Anzahl an Verletzten oder Erkrankten, dass die Möglichkeiten des regulären örtlichen Rettungsdienstes für eine zeit- und sachgerechte Versorgung nicht ausreichen. Dann wird die ergänzende Hilfe, auch aus dem ehrenamtlichen Bereich der Feuerwehren und der Hilfsorganisationen, gebraucht. Dazu können zum Beispiel Busunfälle, Brände in Hotels oder Altenheimen und auch in Schulen gehören.
Den Anforderungen stellten sich neben den Angehörigen der drei Kreisfeuerwehrbereitschaften die Kreisbereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die Schnelle Einsatzgruppe (SEG) Dannenberg sowie Kräfte der Polizeiinspektion Lüneburg/Uelzen/Lüchow-Dannenberg. Männer und Frauen des Technischen Hilfswerkes (THW), der Höhenrettungsgruppe der Grubenwehr Gorleben und des Tierseuchenzuges der Kreisfeuerwehr wurden durch die realistische Unfalldarstellung des DRK täuschend echt als Verletzte geschminkt.
Schon den ersten Kräften vor Ort war klar, dass es sich um eine Großschadenslage handelte, die nur im Zusammenwirken aller verfügbaren Einheiten zu bewältigen war. Der Einsatzleiter forderte bei der Einsatzleitung im Kreishaus umgehend Verstärkung und die Unterstützung durch weitere Kräfte und Behörden aus dem Landkreis und - fiktiv - im Rahmen der überörtlichen Hilfe an. 53 in einem Gebäude eingeschlossenen Schüler und Lehrer mussten gesucht werden, viele von ihnen trommelten in Panik an Fenster und Türen. Nach der Übungslage waren die vielen Treppenhäuser jedoch nicht begehbar.
Auch die Freisetzung gefährlicher Stoffe in den naturwissenschaftlichen Fachräumen des Erdgeschosses konnte nicht ausgeschlossen werden. So musste die Rettung der zum großen Teil nicht gehfähigen Verletzten durch die Fenster und über Leitern erfolgen. Das bedeutete Schwerstarbeit für die Rettungskräfte, die zudem noch mit der vermeintlichen Brandbekämpfung und der Überprüfung der Gefahrstoffsituation gefordert waren. Erst nachdem die Gefahrstoffmessungen durch Fachkräfte der Umweltbereitschaft Entwarnung gegeben hatten, wurde die Arbeit ein wenig leichter, der Weg durch die Türen im Ergeschoss war frei.
Die Verletzten wurden vom Leitenden Notarzt und dem Organisationsleiter des Rettungsdienstes in der Verletztensammelstelle untersucht. Nach deren Vorgaben erfolgte die weitere medizinische Versorgung auf dem Behandlungsplatz, einer durch die Sanitätseinheiten auf dem Schulhof des Gymnasiums aufgebauten kleinen Zeltstadt. Von dort begann, nach Dringlichkeit geordnet, der Transport in geeignete Krankenhäuser. In der Verletztensammelstelle und auf dem Verbandsplatz registrierten Polizeibeamte und Sanitäter jeden Einzelnen penibel und notierten dessen weiteren Verbleib. Dies diente unter anderem dazu, Informationen für die Angehörigen der Opfer zu gewinnen. Polizei und Notfallseelsorger kümmerten sich am Rande des Verletztensammelplatzes auch um die von Rollenspielern dargestellten aufgeregten Eltern.
Kreisbrandmeister Uwe Schulz lobte nach Ende der Übung das Engagement der rund 340 Beteiligten und zog nach einer ersten Auswertung eine weitgehend positive Bilanz. Schulz sprach insbesondere von einer »hervorragenden Zusammenarbeit mit der Polizei» und »einer guten Arbeit der Notfallseelsorger». Die genaue Auswertung der Übung »Teamwork» erfolgt in den nächsten Wochen. Dabei sollen Schwachstellen thematisiert und Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden.
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